Der schwarze Obelisk

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An dieser Stelle möchte ich euch die erste Theaterkritik vorstellen, die ich jemals geschrieben habe. Ich muss sagen, dass mich der Roman sehr beeindruckt hat und ich ihn mittlerweile zu meinen Lieblingsbüchern zähle. Es ist einfach klasse, auf welch unpathetische Art und Weise Remarque es schafft, dem nationalistischen Wahn der Deutschen während der 20er Jahre, den sogenannten Zwischenkriegsjahren und der Zeit der Inflation, aus Sicht eines jungen Mannes den Spiegel vorzuhalten – und das stets mit einem Augenzwinkern und völlig aus dem Leben gegriffen. Besonders im Gedächtnis hängen geblieben sind mir diese beiden Szenen:

(1)

„Die Deutschen lieben ihre Stiefel. Und das müssen sie auch, bei all dem Dreck, durch den sie waten.“

 

(2)

„Da sehen Sie es“, sagt Heinrich bitter zu Riesenfeld. „Dadurch haben wir den Krieg verloren. Durch die Schlamperei der Intellektuellen und durch die Juden.“

„Und die Radfahrer“, ergänzt Riesenfeld.

„Wieso die Radfahrer?“, fragt Heinrich erstaunt.

„Wieso die Juden?“, fragt Riesenfeld zurück.

 

Nun lest aber selbst, wie mir die Bühnenadaption für die Spielzeit 2014/2015 gefallen hat!

 

Osnabrück. „Der schwarze Obelisk“ – Eine ambitionierte Bühnenfassung, die polarisiert

 

Die Inszenierung des Romans „Der schwarze Obelisk“ von Erich-Maria Remarque am Osnabrücker Stadttheater hat unerwartete Reaktionen des Publikums hervorgerufen. Zwar lieferten die Schauspieler auf künstlerischer Ebene eine sehr ambitionierte Inszenierung ab, jedoch war es eben diese, die einen vermeintlich hochkarätigen Theaterabend in kritischem Widerstand gipfeln ließ, da er offenbar vom überwiegenden Teil des Publikums nicht positiv aufgenommen wurde.

Der außergewöhnliche Versuch des Regisseurs Marco Štorman und des Dramaturgen Peter Helling einen Transfer der im Roman geschilderten Schicksale der Osnabrücker Bürger zwischen den beiden großen Weltkriegen in die Gegenwart zu leisten, stieß auf geteilte Meinungen und polarisierte geradezu. Außergewöhnlich ist dieser Transfer deshalb zu nennen, da das hierfür erarbeitete Konzept wohl als Novum gelten dürfte. Das Theaterensemble reiste zwecks Vorbereitung der Inszenierung aus aktuellem Anlass nach Dresden, um an der „Pegida“-Demonstration teil zu nehmen. Sie machten sich vor Ort ein eigenes Bild von Atmosphäre und Stimmung, außerdem fertigten sie Tonaufnahmen an. Die Mitschnitte fanden schließlich auf der Bühne Verwendung. Vermeintliche Parallelen zwischen den Romanfiguren und den „Pegida“-Sympathisanten sollen aufgezeigt werden. Während die einen angesichts ihrer Vergangenheitsbewältigung und den sich stellenden Herausforderungen ihrer Zeit zu zerbrechen drohen, steht bei den anderen die Wahrnehmung gesellschaftlicher Entwicklung im Fokus. Zwar ist dem reflektierten Theaterbesucher die Intention der Kulturschaffenden hier klar, jedoch weist die Adaption für die Bühne nur wenig Textbezug zur Vorlage und erinnert mehr aufgrund der Verwendung höchst moderner Stilmittel wie Bildschirmen und einer Publikumsdiskussion inmitten des Stücks an eine Installation als an den Zwischenkriegsroman Remarques. Es handelt sich um ein gewagtes Konzept, dass eine durchaus greifbare Gesellschaftskritik darbietet, jedoch den ein oder anderen Besucher unerwartet trifft und thematisch bei weitem nicht so abholt, wie es der ehrgeizigen Inszenierung zu wünschen gewesen wäre.

 

Literaturhinweis: E. M. Remarque: Der schwarze Obelisk, KiWi-Taschenbuch, 10. Auflage 2014, ISBN-13: 978-3462027259, 9,99 Euro

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