Die Zauberflöte

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Osnabrück. Generalprobe der Zauberflöte: Benefizveranstaltung mit Zwischenfall

Das Theater Osnabrück hat die aktuelle Spielzeit in der Sparte Musiktheater mit der außergewöhnlichen und wohl beliebtesten Oper Mozarts eröffnet: Die Zauberflöte. Bereits vor der Premiere am 03. September wurde zwei Tage zuvor zur Generalprobe geladen. Tatsächlich handelte es sich gleich in mehrfacher Weise um eine Veranstaltung der besonderen Art. Zum einen wurden die Eintrittsgelder von 35 Euro pro Person komplett für einen wohltätigen Zweck gespendet. Das Jugendtheater OSKAR in Osnabrück, welches ausschließlich durch Spendengelder finanziert wird, darf sich über eine ordentliche Finanzspritze freuen.

Zum anderen sind Generalproben per se immer etwas Besonderes. Die Sänger dürfen ihre Stimmen schonen und müssen nicht voll aussingen. Zudem wird gelegentlich unterbrochen, um an Feinheiten in Spiel und Bühne zu feilen. Für gewöhnlich fallen die Schauspieler und Sänger nicht aus ihren Rollen, sobald sie die Bühne betreten haben. Jedoch kommt es bei einer Generalprobe unter Umständen auch schonmal zu Interaktionen, die einen vergessen lassen, dass geschätzte 700 Menschen im Publikum sitzen. Es herrscht eine lockere Atmosphäre, an der man als Zuschauer gefühlt Teil hat. So auch am Abend des 01. Septembers.

Beeindruckende Kostüme und symbolträchtiges Bühnenbild

Die erste Stunde wurde eine tolle Inszenierung dargeboten. Symbolisch ausgeklügelte Bühnenbilder, stimmige Kostüme und grandios geschmetterte Arien ohne Mängel begeisterten das Publikum.

Der Jüngling Tamino hat weitaus mehr auf dem Kerbholz, als der schüchtern wirkende Junge in Highschool-Outfit auf den ersten Blick erahnen lässt. Ein Indiz hierfür ist jedoch der Papierhut auf seinem Kopf, mit dem man ihm in der ersten Szene kennen auf einem Tisch schlafend kennen lernt. Dass die Schule des Lebens ihn schon so einiges gelehrt hat, lässt sich aus dem Bühnenbild schließen: Tamino befindet sich in einem Klassenzimmer. Beobachtet wird er von den drei Damen der Nacht (Lina Liu, Susann Vent-Wunderlich, Gabriella Guilfoil), respekteinflößende Frauen in schillernden Cocktailkleidern und wallender Mähne. Bereits kurz nach seinem Erwachen muss er sich seiner ersten Prüfung stellen: Aus der Paradiesdarstellung eines Wandbildes schlängelt eine riesige Schlange auf ihn zu. Doch die listige Verführerin wird durch die Ankunft des Vogelfängers Papagenos erledigt. Das Duo wird für integer erachtet und bekommt den Auftrag, nach der entführten Tochter der Königin der Nacht zu suchen.

Meisterhafte Umsetzung der Rollen im ersten Akt

Die Darsteller sind allesamt überzeugend in ihren Rollen. Tamino (Daniel Wagner) wirkt anfangs verschüchtert und mausert sich aus Liebe zu Pamina (Erica Simons) zu einem kühnen Helden, der sich bedingungslos allen ihm auferlegten Prüfungen stellt. Pamina selbst wird sehr mädchenhaft und als Gegenstück zu ihrem Geliebten dargestellt. Ein kurzes Kleidchen mit Strickjacke ergänzt das Outfit Taminos. Papageno (Jan Friedrich Eggers) ist ein lebenslustiger junger Mann, der auf der Suche nach der großen Liebe ist. Gekleidet in warmen Naturtönen zeigt sich seine Verbundenheit zu seiner Arbeit. Die Königin der Nacht wiederum wirkte anziehend und unnahbar zugleich: Ein elegantes schwarzes Spitzenkleid sorgte für einen faszinierenden Auftritt, der nur durch ihren Sopran getoppt wurde. Eine anspruchsvolle Rolle, die von der Sängerin Marie-Christine Haase auf ganzer Linie gemeistert wurde.

Zwischenfall nach einer Stunde Spielzeit

Man sagt, dass eine Generalprobe schiefgehen müsse, um eine gelungene Premiere erwarten zu dürfen. Gesagt, getan: Während eines Duetts von Papageno und Pamina fielen plötzlich größere und kleinere Splitter von der Decke. Zunächst wirkte es, also ob das so vorgesehen sei. Das Klassenzimmer war schließlich einigen hohen Säulen gewichen, die an einen Tempel erinnerten. Weiterhin war der Boden teilweise mit Laub bedeckt, es entstand beinahe das Bild einer Ruine. Ein Zurückweichen und ein lauter Zwischenruf sorgten dann für Gewissheit. In den Seilzügen über der Bühne hatte sich eine Traverse verhakt und so einen Teil der dort angebrachten Kulissen hinuntergerissen. Erica Simons und Jan Friedrich Eggers verließen eilig die Bühne und setzten sich in die erste Reihe. Der Schreck war beiden ganz offensichtlich anzumerken.

Die nun vorgezogene Pause dauerte einige Minuten länger, als gewöhnlich. Der Blick aus dem Fenster der Foyers ließ nichts Gutes erahnen, denn ein Leiterwagen der Feuerwehr fuhr gerade vor. Der Schauspielintendant Ralf Waldschmidt informierte die Gäste darüber, dass der Schaden an der Bühnentechnik nicht in absehbarer Zeit behoben werden könne und der Eiserne Vorhang aus Sicherheitsgründen unten bleiben müsse. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch, denn der Rest der Oper wurde improvisiert und in ca. 1,3 Stunden konzertant wiedergegeben. So konnte man als Zuschauer doch noch einen Blick auf die Kostüme der anderen Darsteller werfen und einen guten Eindruck des musikalischen Könnens des Ensembles bekommen.

Die Zauberflöte: Show must go on

Man nahm es mit Humor: Die drei Damen der Nacht, deren Kleider ja schon zu sehen waren, traten kurzerhand abgeschminkt und im Bademantel vor den Eisernen Vorhang und sorgten so für ordentlich Unterhaltung. Die drei Knaben vom Knabenchor Gütersloh legten mehrere großartige Auftritte hin. Mit glockenhellem Sopran sangen sie ihren Part und wurden mit Begeisterungsstürmen belohnt. Stolz grinsend gingen die drei Jungs von der Bühne. Auch das Kostüm Sarastros, dargestellt von José Gallisa, machte Eindruck. Ein stattlicher Anzug in hellen Tönen gehalten zeigte trotz fehlendem Bühnenbild und Kontext auf, dass überdacht werden sollte, wer in der Zauberflöte wirklich auf welcher Seite steht. Ein Ränkespiel zwischen Gut und Böse.

Insgesamt war es ein sehr schöner Abend. Sehenswert und ereignisreich machte er Lust auf mehr. Man bekam zudem einen sehr persönlichen Eindruck der sympathischen Darsteller, was im Rahmen einer regulären Vorstellung so nicht möglich gewesen wäre. Tatsächlich empfand ich es als Pluspunkt, die Kostüme losgelöst vom Szenario sehen zu dürfen, denn so treten einige symbolische Aspekte in den Vordergrund, die womöglich ansonsten untergegangen wären. Toi toi toi für die weiteren Aufführungen – wird schon schiefgehen!

 

(Beitragsbilder „Die Zauberflöte“: Uwe Lewandowski – mit freundlicher Genehemigung des Theaters Osnabrück)

 

Mitwirkende (an diesem Abend):

Musikalische Leitung: Daniel Inbal
Inszenierung: Alexander May
Bühne: Etienne Pluss
Kostüme: David Gonter
Choreinstudierung: Markus Lafleur
Dramaturgie: Ralf Waldschmidt, Alexander Wunderlich

Sarastro: José Gallisa
Tamino: Daniel Wagner
Alter Priester:  Genadijus Bergorulko
Erster Priester: Hans-Hermann Ehrich
Zweiter Priester: Genadijus Bergorulko
1. Geharnischter: Hans-Hermann Ehrich
2. Geharnischter: Genadijus Bergorulko
Königin der Nacht: Marie-Christine Haase
Pamin: Erika Simons
1. Dame: Lina Liu
2. Dame: Susann Vent-Wunderlich
3. Dame: Gabriella Guilfoil
1. Knabe
2. Knabe } Solisten des Knabenchor Gütersloh
3. Knabe
Papageno: Jan Friedrich Eggers
Ein altes Weib/Papagena: Caroline Bruker
Monostatos: Mark Hamman

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