Kulturvermittlung für Jugendliche im DIY-Format – Teil 2

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Köln. „Wir machen uns die Welt“ – Mit Kreativität und Eigensinn zu eigener Positionierung

Bereits der Titel dieses Sachbuchs lässt vermuten, wo es hingehen soll: „Wir machen uns die Welt“ – ein Ausspruch, der den meisten wohlbekannt als Motto der liebenswerten und eigensinnigen Figur Pipi Langstrumpf von Astrid Lindgren sein dürfte. Die beiden Autorinnen Birgit Hauska und Nina Waibel zeigen in ihrem jüngst erschienen „Guide für Jugendliche“ 25 Ideen auf, die die Zielgruppe zwischen 12 und 17 Jahren sowohl praktisch als auch theoretisch an das Thema Kunst und Kultur heranführen soll.
Ähnliche Konzepte mag es in der Vergangenheit bereits häufiger gegeben haben, jedoch müssen sich Hauska und Waibel 2016/17 einer ganz besonderen Herausforderung stellen. Denn mit der zunehmenden Digitalisierung unserer Gesellschaft ändern sich auch maßgeblich die Gewohnheiten und Umstände, die derzeit Kindheit und Jugend prägen. Während es noch vor einigen Jahren üblich war, dass der Nachwuchs den Großteil der Freizeit spielend im Freien oder im Kinderzimmer verbracht hat, wachsen die so genannten „Digital Natives“ mit einem zunehmenden Fokus auf Unterhaltungselektronik auf.

Kulturvermittlung heute besondere Herausforderung

Genau dieser Brückenschlag gelingt Hauska und Waibel jedoch vorbildlich. Sie schaffen es, die Erfahrungswelt der Zielgruppe mit innovativen und klassischeren Ideen zu verbinden, die die Jugendlichen anregen, selbst kreativ zu werden. Alltagsgegenständen wie Smartphone und Tablet werden so völlig neue Bedeutungen zugewiesen und kommen gezielt zum Einsatz, um in verschiedensten kleinen Projekten alle fünf Sinne anzusprechen und zu fördern. Besonders schön ist hierbei, dass diese Ideen mit Hintergrundinformationen gespickt sind und stets zum Querdenken und zu weiterer Lektüre angeregt wird. Einige Aspekte wie die Entwicklung und Bedeutung von Kunst werden präsentiert und beispielsweise mit dem Thema „Macht von Symbolen“ in Verbindung gesetzt. Interessante analytische Fingerzeige wie die These, dass die derzeit so beliebten Selfies als künstlerischer Ausdruck des Selbstverständnisses (wer will ich sein, wie will ich wahrgenommen werden) zu sehen sind, lassen aufmerken. Nicht zuletzt sind hier die philosophischen Exkurse als besonders wertvoll zu nennen, die die kreativen Ansätze im Buch als „Appetizer“ wirken lässt, die Potenzial für weitere individuelle Ideen bergen.

Gut durchdacht: Mehrwert wird aufgezeigt

Die Motivation wird bei allen Projekten klar kommuniziert und von 16 Künstlern begleitet, die in Interviews und Kommentaren Einblicke in ihre eigene Erfahrungswelt und Berührungspunkte mit dem Thema Kunst geben. Die Jugendlichen werden so optimal abgeholt. Der kindliche Entdeckerdrang wird lebendig erhalten bzw. wieder geweckt, Neugier und Eigeninitiative werden als bewusste Transferleistung gesehen: Die bewusstere Wahrnehmung der Umwelt, welche hier geschult wird, regt nicht nur zum eigenständigen Denken an, sondern hilft auch dabei, den Jugendlichen die Entwicklung eines eigenen Standpunktes zu ermöglichen. Ein nicht zu unterschätzender Mehrwert, denn gerade in der Pubertät sind derartige Orientierungshilfen von größter Bedeutung für die Identitätsbildung der jungen Menschen. Erklärt werden die Bedeutung von Spiel und bastelnden Aktivitäten für den Erkenntnisgewinn, der zu einem gefestigten „Ich“ führt und den Jugendlichen aufzeigt, dass sie selbst entscheiden können und sollen, wo sich ihr Platz in der Gesellschaft befindet.
Großartig ist in diesem Zusammenhang, dass nicht nur Plattformen für den Austausch aufgezeigt werden (eigene Community eingerichtet) und es weiterführende Lektürehinweise gibt, sondern dass trotz der hier aufgezeigten wunderbaren Möglichkeiten, Kunst mit Smartphone, Tablet und Co. zu verbinden, einige kritische Anmerkungen in Bezug auf eben diese erfolgen und für einen verantwortungsvollen und reflektierten Umgang mit den modernen Medien plädieren. Ein sinnvolles und gut durchdachtes Werk, welches das Prädikat „wertvoll“ verdient!

 

Weitere Informationen: www.sk-kultur.de/aktuell/detail/news/wirmachenunsdiewelt/

#wirmachenunsdiewelt

Hauska, Birgit/Waibel, Nina: Wir machen uns die Welt, ATHENA Verlag, Oberhausen 2016; ISBN-13: 978-3898966511; 19,50 Euro

 

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3 Gedanken zu „Kulturvermittlung für Jugendliche im DIY-Format – Teil 2

  1. Hallo liebe Sina,
    wir freuen uns weiter von Dir zu hören und sind gespannt auf deine persönliche Umsetzung der einen oder anderen Künstleridee! Ich persönlich bin auch neugierig zu erfahren, welche Idee(n) Du Dir aussuchen wirst….
    Schöne Grüße
    Birgit

  2. Liebe Sina-Christin,

    wir sind sprachlos und glücklich bei Deinen so wertschätzenden Worten für unser Buch #wirmachenunsdiewelt – Ein kreativer Guide für Jugendliche!

    Ganz herzlich möchten wir uns bei Dir für diese tiefgehende und wirklich detaillierte Rezension bedanken.

    Wir wünschen Dir ganz viel Freude mit unsererm Buch und sagen DANKE!!!

    Mit herzlichen Grüßen
    Birgit Hauska

    1. Liebe Birgit!

      Aber gerne doch: Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen und ich werde es auf alle Fälle weiterempfehlen. Ich finde es richtig klasse, dass ihr euch die Mühe gemacht habt, diese zahlreichen kreativen Ideen mit Hintergrundinfos und jeder Menge weiterführendem Input aufzubreiten. Sobald der Frühling anbricht, werde ich sicherlich die eine oder andere Idee auch selbst in Angriff nehmen und umsetzen. Ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse. 🙂

      Viele Grüße,

      Sina

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