Remarque-Führung

titel_remarque_fuehrung

Osnabrück. „Remarque-Führung“ – Der Weg zurück

 

Osnabrück bietet als Geburtsstadt des Schriftstellers E. M. Remarque zahlreiche Originalschauplätze, die sich in den Werken des Kriegsgegners und Pazifisten wiederfinden – mal konkret benannt, mal umschrieben durch Synonyme, jedoch stets erkennbar für Ortskundige. Das Ensemble des Osnabrücker Theaters hat sich dementsprechend eine sehr kreative Herangehensweise an die Biographie des berühmten Autors überlegt und zu einem Spaziergang der besonderen Art eingeladen. Unter dem Motto „Der Weg zurück“ hatte ich mich also gemeinsam mit einer Freundin und 23 anderen Gästen an einem sonnigen und milden Apriltag letzten Jahres vor dem Eingang des Theaters am Domhof eingefunden und war mehr als gespannt, was uns die kommenden Stunden erwarten würde. Begrüßt wurden wir von Herrn Remarque alias Oliver Meskendahl persönlich, der uns, seinen Hut freundlich lüpfend, ein paar Takte zu seinem Werdegang als Autor und Gesellschaftskritiker erzählte. Begleitet von drei Soldaten – Marius Lamprecht, Patrick Berg und Thomas Hofer -, deren Uniformen erahnen ließen, dass sie wohl recht jung in den Ersten Weltkrieg gezogen waren, machten wir uns auf den Weg zurück in die Vergangenheit.

Der Spaziergang führte uns quer durch die Osnabrücker Innenstadt, wo wir an zwölf Stationen verweilten und Zeugen präzise ausgearbeiteter szenischer Lesungen wurden, die einen Querschnitt sowohl durch das Schaffen als auch durch das bewegte Leben des Autors darboten. Die Schauspieler entführten uns in ferne Zeiten und machten Literatur, wie auch Geschichte, gleichermaßen erlebbar. Größtenteils reduziert auf die historische Kleidung und nur wenige Requisiten lieferten auch die anderen beteiligten Schauspieler überzeugende und mitreißende Darstellungen. Mal ernst und beklemmend, dann wieder tragisch-komisch wurden uns die sorgsam ausgewählten Textauszüge präsentiert. Dass Remarques produktivste Schaffensphase während und zwischen den beiden Weltkriegen stattfand, hinterließ merklich seine Spuren bei den Gästen. Zutiefst berührt von dem Dargebotenen hatte man tatsächlich den Eindruck, man befinde sich in einem parallelen Zeitstrang, der neben dem alltäglichen Leben in der Stadt verlief. Wir folgten der Geschichte Remarques angefangen im Dom über Altstadt und Iduna-Hochhaus, wo Rosemarie und Klaus Fischer u.a. ergreifend ein älteres Ehepaar mimten. Oliver Meskendahl begleitete die anschließende Stärkungspause im Blue Note gesanglich und verdichtete die Atmosphäre der gesamten Remarque-Führung somit zusätzlich. Abschließend führten uns weitere Stationen Richtung Gertrudenberg, wo sich einstmals die „Irrenanstalt“ der Stadt befand. Anne Hoffmann ließ hier als Kunsthändlerin das Paris der 40er Jahre auferstehen. Der außergewöhnliche und beeindruckende Weg zurück endete schließlich mit einer letzten Szene unter Orgelspiel in der kleinen Kapelle auf dem Berg und entließ uns schließlich etwas wehmütig in den angebrochenen Abend der Gegenwart. Besonderer Dank gilt an dieser Stelle den beteiligten Schauspielern dafür, dass sie den Protagonisten Remarques so authentisch Leben eingehaucht haben, sowie Marie Senf für ihren dramaturgischen Einfluss. Ich hoffe, dass solch innovativen Ideen nicht so schnell ausgehen und es in Zukunft zahlreiche weitere Veranstaltungen dieser Art geben wird.

(Veranstaltungsdatum: 18. April 2015)

 

Literaturhinweis: Wilhelm von Sternburg: Als wäre alles das letzte Mal: Erich Remarque. Eine Biographie, KiWi Taschenbuch, 1. Auflage 2000, ISBN-13: 978-3462029178; 14,95 Euro

IMAG0022_2                               IMAG0023_4

(Rosemarie und Klaus Fischer)                    (Marius Lamprecht, Oliver Meskendahl, Thomas Hofer)

Ein Gedanke zu „;Remarque-Führung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *