Teatro La Fenice

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Venedig. Teatro La Fenice – Wie ein Phönix aus der Asche …

 

Letzten Sommer zog es uns nach Venedig, eine der Urlaubsdestinationen die ich seit langem auf meiner Wunschliste stehen hatte. Bereits nach der ersten Internetrecherche zwecks der obligatorischen Sightseeing-Planungen war mir klar, dass „La Serenissima“ (die Durchlauchtigste) ihren Namen völlig zu Recht tragen müsse und ich als Liebhaberin kulturlastiger Städtetrips voll und ganz auf meine Kosten kommen würde. Tatsächlich wurde ich nicht enttäuscht und die Stadt zog mich unmittelbar nach der Ankunft in ihren Bann. Natürlich hatte ich auch einiges über das Opernhaus der Lagunenstadt gelesen, das zu den ältesten und bekanntesten Europas zählt, weshalb ein Besuch ganz oben auf der Liste der Sehenswürdigkeiten stand:

La Fenice wurde 1792 nach nur zwei Jahren Bauzeit eröffnet. Den klingenden und symbolträchtigen Namen „Der Phönix“ verdankt es der Tatsache, dass es als Ersatz des zuvor abgebrannten Opernhauses in Venedig errichtet wurde. Erst später sollte sich zeigen, dass der Name durchaus passend gewählt wurde, da La Fenice 1836 und 1996 – durch Brandstiftung im Zuge von Renovierungsarbeiten – abermals brannte und stark beschädigt wurde. Bekannt als Institution unter den italienischen Opernhäusern ist La Fenice v.a. dadurch, dass Guiseppe Verdi diese Bühne bevorzugt für seine Uraufführungen auswählte. Auch die italienische Erstaufführung von Wagners Werk „Der Ring der Nibelungen“ fand hier statt. Nach dem zweiten Weltkrieg reihten sich moderne Opern namhafter Komponisten ebenfalls in die Liste der Uraufführungen ein.

Die Architektur des Gebäudes beeindruckt noch heute massiv. Es wurde großer Wert auf eine detaillierte Rekonstruktion ursprünglicher Gestaltungelemente des Gebäudes im Rahmen der Sanierung und des Wiederaufbaus nach dem Brand 1996 gelegt. Es sind jedoch auch bewusst Elemente des ursprünglichen Baus erhalten geblieben, die noch heute mahnend von dem letzten Brand zeugen. So finden sich in einigen Aufenthaltssälen rußgeschwärzte Decken und Stuckarbeiten, die die Atmosphäre während des Aufenthalts in eine gewisse Melancholie tauchen und somit einladen, die Räumlichkeiten der Oper ausgiebig zu erkunden.

Im Eingangsbereich des imposanten Gebäudes erhalten Besucher einen Audioguide in diversen Sprachen, der einen Rundgang im eigenen Tempo ermöglicht. An ausgewählten und mit Zahlen markierten Stellen sollte man ein paar Minuten verweilen und sich durch den entsprechenden Text des Guides sukzessive über die gesamte Geschichte La Fenices informieren lassen. Neben historischen Details werden Musikausschnitte und Anekdoten zum Besten gegeben, die die Führung unterhaltsam und abwechslungsreich gestalten. So erfährt man so manches Detail zu Berühmtheiten, die in Beziehung zu diesem geschichtsträchtigen Ort stehen.

Besonders beeindruckend wirkt der Theatersaal an sich (s. Titelbild dieses Blogs): Wirklich imposant sind die Gestaltung der Decke, die dem Besucher die Illusion einer himmelsähnlichen Kuppel vermittelt und den Raum bei weitem größer erscheinen lässt als er tatsächlich ist. Auch hier finden sich prunkvolle, mit Gold verzierte Stuckarbeiten, die den Himmel wie auch die Logen einfassen. Man fühlt sich beinahe in eine andere Zeit versetzt, was sicherlich durch die phonetische Berieselung und durch das Wissen um die bewegte Geschichte des Gebäudes unterstützt wird – und in meinem Fall zugegebenermaßen dadurch, dass ich, als ich auf dem Balkon stand, sofort an die Szene in Sissi denken musste, in der die Bediensteten der venezianischen Adeligen ihrem Protest durch das Anstimmen von Verdis Gefangenenchor aus Nabucco Ausdruck verliehen. 🙂 Obwohl dieser prunkvolle Bau also vordergründig nur wenig mit den meist moderneren Theatern in Detschland gemein hat, legen die Venezianer großen Wert darauf, auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben und haben dementsprechend das weltweit modernste Belüftungssystem in den Besucherraum eingepasst.

In jeglicher Hinsicht macht der Besuch La Fenices nachhaltigen Eindruck und lädt sogar Personen, die der Theatersparte Oper nicht sonderlich nahestehen, ein, sich verzaubern zu lassen. Leider konnten wir keine Abendveranstaltung besuchen, da während unseres Aufenthaltes Spielzeitpause war, aber ich bin mir sicher, dass wir das in absehbarer Zeit nachholen werden. Für Kulturbegeisterte ist La Fenice meiner Meinung nach ein absolutes Muss, wenn man Venedig besucht.

(Besichtigungstermin: 06. August 2015)

 

Literaturhinweis: Graziano Arici, Giandomenico Romanelli, Giuseppe Pugliese: Gran Teatro la Fenice, Taschen-Verlag, 1. Auflage 1999, ISBN-13: 978-3822871232; gebraucht erhältlich

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